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Chronik des Musikvereins


Übersicht:
kurze Zusammenfassung der Chronik Gründungsmitglieder
Vorsitzende von 1920 bis heute Dirigenten von 1920 bis heute
Statuten des MV aus dem Jahre 1920 (PDF-Format)

Ausführliche Chronik in vier Teilen:
Teil 1: Bescheidene Anfänge um die Jahrhundertwende
Teil 2: Neubeginn nach schwerer Zeit
Teil 3: Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
Teil 4: Maringer dirigieren Maringer



Maringer dirigieren Maringer

Es verdient hervorgehoben zu werden, dass von Anfang an alle Dirigenten des Musikvereins "Harmonie" Maringer Urgestein waren beziehungsweise sind. Ob die kleine Gruppe der Musiker, die 1911 den Musikverein gründete - zu ihr gehörte damals der 26jahrige Johann Klink und der erst 16jährige Matthias Jakoby - noch ohne Dirigent auskam, wissen wir nicht. Einer der beiden, Matthias Jakoby, übernahm nach dem Ersten Weltkrieg für ein Jahr die Stabführung. So ist es nicht verwunderlich, dass sein Sohn Josef 50 Jahre später dieses Amt übernahm und mit großem Erfolg 18 Jahre lang ausfüllte. Unter der musikalischen Leitung von Josef Jakoby ist aus der Blaskapelle ein bis zu 45 Musiker starkes Blasorchester mit einem hohen Anteil sehr gut ausgebildeter junger Musiker geworden.

Peter Klippel, ein Onkel des langjährigen Ortsvorstehers Erhard Klippel, Dirigent von 1921 bis 1938, ist zwar aus beruflichen Gründen nach Wittlich gezogen, darf aber mit Fug und Recht als echter Maringer betrachtet werden.

Johann Klink, der auf allen nur erdenklichen Blasinstrumenten zu Hause war und für die Rekrutierung und Ausbildung junger Musiker Enormes geleistet hat, war bereits 65 Jahre alt, als er 1950 die Leitung übernahm.

Sein Nachfolger Martin Weber hatte sich zunächst bei "Schmids-Jusep"die Anfangsgründe des Piccolo beibringen lassen. Vielleicht hatte dabei seine später sprichwörtlich gewordene Knauserigkeit eine Rolle gespielt. Als er dann preiswert an eine alte Trompete kam, stieg er um und erfuhr seine Ausbildung bei Matthias Jakoby und - wie könnte es anders sein - bei Johann Klink. Dass er später auf das etwas weniger anstrengende Tenorhorn und den Bariton umstieg, erklärt sich aus einer, wie der Chronist tagtäglich am eigenen Leib leidvoll erfährt, in der Familie Weber recht häufig anzutreffenden Erbanlage, nämlich einem Anflug von Bequemlichkeit. Nach der Stabübergabe an Josef Jakoby widmete sich Martin Weber sehr erfolgreich der Arbeit mit der Jugendmusikgruppe, die ihr hohes Niveau bei zahlreichen Jugendgruppenspielen unter Beweis stellte. Sein Nachfolger in dieser für ein Ensemble so wichtigen Aufgabe wurde nach einem zeitweiligen Stillstand 1984 Joachim Simon.

Seit 1990 steht der Musikverein unter professioneller Leitung. Als Jürgen Lejeune 1990 von Josef Jakoby den Dirigentenstab übernahm, war er mit 26 Jahren nicht nur der bis heute jüngste, sondern auch der am besten ausgebildete musikalische Leiter des Ensembles. Ihm hatte Martin Weber 1971 die ersten Töne auf dem Tenorhorn beigebracht. Dank seiner außergewöhnlichen Begabung einer weiteren Ausbildung an der Kreismusikschule und der erfolgreichen Teilnahme an dem Wettbewerb "Jugend musiziert" nahm Jürgen Lejeune 1981 an der Folkwangschule (Musikhochschule Essen) das Studium als Orchestermusiker auf, das er 1988 mit dem Hauptfach Tuba abschloss. Bei der musikalischen Reifeprüfung, so nennt man das Abschlussexamen an einer Musikhochschule, wurde ihm die Note "mit Auszeichnung" zuerkannt. Danach konnte der junge Profimusiker während seiner Wehrdienstzeit mit dem Heeresmusikkorps Hannover erste Erfahrungen sammeln.

Im Februar 1990 organisierte der damalige Vorsitzende Eligius Arens eine Busfahrt nach Essen, wo die begeisterten Maringer Musikliebhaber "ihren" Jürgen beim Konzertexamen in der vollbesetzten Aula der Folkwangschule erleben durften. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass Jürgens Großvater mütterlicherseits kein anderer war als der den älteren Maringern noch gut bekannte Organist und Komponist Josef Klink (1913-1944), der an der Musikhochschule Köln Schüler des aus Bernkastel stammenden bedeutenden Komponisten Hermann Schroeder war.

Jürgen Lejeune führte die Musiker dank der sehr guten Arbeit seiner Vorgänger in kurzer Zeit zu dem Niveau, das bei offiziellen Wettbewerben "Oberstufe" genannt wird, Mit ihm wurde das ohnehin bereits vielseitige Repertoire in Richtung "konzertante Blasmusik" erweitert und bereichert.

Mehr und mehr wurden in den letzten fünfzehn Jahren junge Musiker im Verein aktiv, die in der Kreismusikschule ihr Instrument bei professionellen Lehrern erlernt hatten und dann durch die Vorbereitung in der Jugendmusikgruppe behutsam in das Blasorchester integriert wurden. Die Rolle der Kreismusikschulen für das permanent ansteigende Niveau der Blasmusikensembles kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden. Damit soll aber keineswegs die Leistung der Musikvereine in früherer Zeit auf "Humba-Humha-Tätarä-Niveau" herabgewürdigt werden.

Seit dem Jahre 1975 hatte der Musikverein freundschaftliche Kontakte zu der niederländischen "Harmonia Juliana" aus Someren-Eind gepflegt. Zu diesem Ensemble gehörte auch eine Big Band, die den jungen Maringer Musikern gehörig imponierte. Diese Jazzformation gab den Anstoß zur Entstehung der Liesertal-Bigband, die bis heute unter dem Dach des Musikvereins blieb, sich weitgehend aus Musikern des MV "Harmonie" rekrutierte und über Jahre hin von Reinhard Bracht geleitet wurde.

Als dieser 1977 zum Vorsitzenden gewählt wurde, war die Zeit reif, die eingefleischte Männergesellschaft der Blasmusiker aufzubrechen. Es hatte zwar seit 1958 wiederholt schüchterne Anfragen von weiblicher Seite gegeben. Aber die waren immer mit der Einfachstformel "Weiber gehören nicht in den Verein" abgeschmettert worden. Aber ab 1979 wurde dann allmählich die Männergesellschaft kräftig aufgemischt. Heute stellen die Frauen in manchen Registern fast die Mehrheit, und ein Musizieren ohne sie wäre gar nicht mehr denkbar.

Wenn bisher die Geschichte des Vereins sozusagen um die Vorsitzenden und insbesondere die Dirigenten herum geschrieben wurde, so darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Rolle, die der Musikverein im dörflichen Kulturleben spielt, auf die Leistung aller Vorstandsmitglieder und aller Musiker angewiesen ist. Eine ganz besonders wichtige und nicht selten undankbare Aufgabe fällt dabei den Kassierern zu. Stellvertretend für alle vor und nach ihm soll hier Hermann Jakoby hervorgehoben werden, dessen Name als Kassierer über Jahrzehnte hin in den Vorstandslisten wie ein Fixpunkt erscheint.

Man kann nur hoffen, dass es auch in der Zukunft gelingt, in der jungen Generation das Interesse am aktiven Musizieren Wachzuhalten und damit der Instrumentalmusik im kulturellen Leben des Dorfes den Platz zu erhalten, den sie sich im Laufe eines ganzen Jahrhunderts erworben hat.


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