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Chronik des Musikvereins


Übersicht:
kurze Zusammenfassung der Chronik Gründungsmitglieder
Vorsitzende von 1920 bis heute Dirigenten von 1920 bis heute
Statuten des MV aus dem Jahre 1920 (PDF-Format)

Ausführliche Chronik in vier Teilen:
Teil 1: Bescheidene Anfänge um die Jahrhundertwende
Teil 2: Neubeginn nach schwerer Zeit
Teil 3: Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
Teil 4: Maringer dirigieren Maringer



Bescheidene Anfänge um die Jahrhundertwende

Wenn auch im Namen des Maringer Musikvereins das Jahr 1911 als offizielles Gründungsjahr erscheint, so gehen doch die Bestrebungen, im Dorf ein Musikensemble auf die Beine zu stellen, auf das Jahr 1900 zurück.

Da aus diesen Anfangszeiten keine schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen, stützt sich die Darstellung der "Gründerzeit" im Wesentlichen auf das, was den heute Lebenden von ihren Vätern und Großvätern erzählt worden ist, und bleibt damit notgedrungen in der Auswahl der Fakten und deren Wertung subjektiv.

Unter den Musikern der ersten Stunde, deren genaue Zahl unbekannt ist, waren Johann Klink, der später noch über lange Jahre hin eine herausragende Rolle im Vereinsleben spielen sollte, die Brüder Remigius und Josef Böllinger, Nikolaus Bölinger und Johann Schedler. Es müssen schon die wichtigsten Blasinstrumente, wie Trompeten, Hörner und Bass, dazu vielleicht die Klarinette, vertreten gewesen sein, denn schon 1902 wagten die Musiker mit der Ouvertüre "Tolle Streiche" und der Fantasie "Waidmannslust" mutig ihren ersten Auftritt außerhalb des Dorfes, beim Stiftungsfest des Musikvereins "Lyra" in Wehlen.

Die treibende Kraft dieser frühen Jahre war Johann Klink. Ihm gelang es immer wieder, neue Blasmusikinteressenten zu gewinnen und auszubilden. Mit Tanzmusik verdienten die Musiker für sich und für die finanziellen Bedürfnisse der Gruppe etwas Geld. Man muss bedenken, dass die Anschaffung von Blasinstrumenten in Relation zu den damaligen Lohn- und Einkommensverhältnissen für den einzelnen Interessenten äußerst hohe Kosten verursachten.

In dem damaligen "Musikverein" - nennen wir ihn der Einfachheit halber so - waren neben Maringern auch Wehlener und Lieserer aktiv.


Trommelkrieg zwischen Maring und Lieser

Im Jahre 1909 hatte sich der damals acht Jahre alte Lieserer Musikverein aufgelöst. Unter den fünf Musikern, die sich daraufhin den Maringern anschlossen, war auch Johann Licht. Nur daraus wird verständlich, wie es zu einer Eulenspiegelei kam, die am 19. und 20. Februar 1911 der Lokalpresse zwei Glossen wert war.

In dem Artikel vom 19. Februar erfährt man die Maringer Version. Es ging um die "versuchte Entführung einer dicken Trommel, eines der wichtigsten Instrumente jeder Blaskapelle.

Vier augenscheinlich der edlen Musik huldigende Personen ... waren durch das Fenster in ein Maringer Haus eingestiegen. Sie kamen aus Lieser und wussten offensichtlich, wo sie "ihre" dicke Trommel zu suchen hatten. Als sie mit der Trommel auf dem gleichen Wege wieder das Haus verlassen wollten, staunten sie nicht schlecht. Draußen vor dem Fenster stand eine Schildwache. Erwischt! Geknickt ob dieses unvermuteten Ausganges, zogen sie gen Lieser fürbass. Von einer Anzeige wollen die Maringer absehen. Nicht unerwähnt mag bleiben, dass die erwähnten vier Personen aus Lieser Ansprüche auf die Trommel zu haben, vorgeben.

Nach Lieserer Sicht lagen die Dinge allerdings etwas anders. Noch am selben Tag, an dem die Leser in der Presse über die Maringer Version informiert worden waren, erhielt die Zeitungsredaktion eine Zuschrift aus Lieser, in der zu lesen war, wie die Lieserer die Vorgänge sahen.

Diese glaubten, gute Gründe zu haben, die dicke Trommel wieder heim nach Lieser zu holen. Sie waren Mitglieder des 1909 im Streit aufgelösten Lieserer Musikvereins und wussten, dass die Lieserer "Übersiedler" Johann Licht, H. Geller, S. Pauli, M. Binz und J. Mehn die dicke Trommel mitgenommen hatten. Und die sollte wieder dahin zurückgebracht werden, wo sie nach Meinung der Lieserer hin gehörte, nach Lieser nämlich.

So begaben sich drei Lieser-Treue nach Maring, und baten im Hause, wo sie die Trommel wussten, artig um Einlass, der ihnen auch gewährt wurde. Die dicke Trommel würden sie geren in Augenschein nehmen, wenn es denn dem Hausherrn genehm sei, sagten sie. Daraufhin geleitete sie dieser in die kleine Stube, wo die dicke Trommel Asylrecht genoss. Die kluge Hausfrau aber verließ das Haus und schloss von außen ab. So waren die drei Lieserer, ihr Mann und mit ihnen die dicke Trommel gefangen. Hinaus konnte man also nur noch durch das Fenster! Durchs Fenster ging nur einer, mit der Trommel bepackt, schreibt die Zeitung. Also doch? War nach der Maringer Version vom 19. Februar denn nicht die Entführung misslungen?

Die Satzung des aufgelösten Lieserer Musikvereins hatte vorgesehen, dass im Falle der Auflösung des Vereins das Inventar, die Trommel und die Noten der "Mehrheit" gehören sollten. Und das waren die nach Maring "desertierten" fünf Dissidenten. Aber die vier Mann starke Minderheitsfraktion aus Lieser hatte Inventar, Trommel und Noten "widerrechtlich" behalten.

Bleibt die Frage, wie es der dicken Trommel trotzdem gelang, in Maring Asyl und sogar Arbeit zu bekommen. Ob da nicht die in Maring musizierende Lieserer "Majorität" vorher schon in Lieser eine erfolgreiche Entführung inszeniert hatte?


Musikverein Maring 1911

Wenig später kam es zur förmlichen Gründung des heutigen Musikvereins. Zu den "Gründungsvätern" gehörten neben den fünf Männern der allerersten Stunde von 1900 noch Peter Clemens I und Matthias Jakoby, Johann Licht aus Lieser und die beiden Wehlener Anton Geiter und Johann Hansen. Erstaunlicht eigentlich die beiden "Fremden" aus Wehlen, die zu den Proben einen eineinhalbstündigen Fußweg zurücklegen mussten. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges leistete der junge Verein sehr gute Aufbauarbeit.

Wie für alle Ortsvereine wurde der Krieg 1914/1918 zu einem Einschnitt, der Stillstand bedeutete und in de Reihen der Musiker Lücken hinterließ Zu den Opfern des Krieges zählen Nikolaus Böllinger und Johann Schedler.


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